Muss es die Teuerste sein? Was ist sinnvoll?
Rückblick
Und wieder waren es die Ägypter, die hier vorlegten: Sie verwenden eine Paste aus Bimsstein und Weinessig zur Reinigung der Zähne. Die Römer machen es ähnlich, gingen aber in Sachen Zahnschönheit bis an die (Ekel-)Grenze: Sie reichern den klassischen Bimsstein mit dem eigenen Urin an. Es folgten Kreidepulver oder einfache Mundspülung – sie gelten lange Zeit als Favoriten der Reinigungs-Hilfsmittel für das Gebiss.
Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich erfindet ein Apotheker aus dem sächsischen Waldheim eine Zahnseife, sie ist unsere Zahnpasta von heute schon ziemlich ähnlich, trifft aber noch nicht ganz den Geschmack der Massen. Erst der Dresdner Apotheker Ottmar Heinsius von Mayenburg legt per Rezeptur fest, was unserer Zahnpasta von heute schon ziemlich nahe kommt. Chlorodent, so nennt er seine Erfindung, besteht aus einem Gemisch aus Bimssteinpulver, Kalziumkarbonat, Seife, Glyzerin und Kaliumchlorat. Mayenburg reichert das Ganze mit Pfefferminzgeschmack an und füllt das Ganze in silberne Tuben. Die Zahnpasta ist erfunden.
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Kariesschutz heute
Heute ist die Paste aus Sachsen aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Mindestens zwei Mal täglich drücken wir auf die Tube: Rund 450 Gramm verbrauchen wir pro Jahr auf diese Weise. Das entspricht etwa vier bis fünf Tuben. Das ist auch gut so: Schützt uns das Fluorid in der Paste doch vor Karies. Aber: Wie teuer muss eine gute Zahncreme sein? Reicht die Tube vom Discounter für 40 Cent, oder bringt Spezialzahncreme für sechs Euro deutlich mehr? Vor drei Jahren macht Stiftung Warentest die Probe aufs Exempel, testet 25 Zahnpasten und findet heraus: Auch die „billigen“ Aldi-Angebote können sich durchaus mit den Luxuslinern unter den Pflegecrèmes messen. Wer seine Zähne also effektiv schützen will, muss gar nicht tief in den Geldbeutel greifen. Die günstigen Discount-Angebote liegen bei ca. 30 Cent.
Den überraschend guten Kariesschutz aller Pasten erklären sich die Tester vor allem mit dem seit 15 Jahren wachsenden Fluoridanteil der Zahncremes, der sich dem gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwert von 1500 Milligramm pro Kilogramm langsam annähert.
Löcher in den Zähnen haben inzwischen fast Seltenheitswert – fördert Fluorid doch die Knochen- und Zahnbildung und macht Zähne resistenter gegen Säuren. Ohne Fluorid ist der Zahn der Verbindung aus Zahnbelag und Säure hingegen oft nicht gewachsen - Kariesbakterien haben dann freie Bahn.
Übrigens: Die Streifen in der Zahnpasta entstehen erst durch das Drücken der Tube – ein Mini-Rohr im Inneren macht´s möglich.
Kauen gegen Karies?
Unterwegs, dort, wo wir gerade einmal keine Zahnbürste parat haben, können wir getrost zum Zahnpflege-Kaugummi oder –Bonbon greifen, meint nicht nur die Werbung, sondern auch immer mehr Experten. Lutschend oder kauend reduzieren wir den durch das Essen entstandenen Säuregehalt im Mund und machen den daraus resultierenden schädlichen Bakterien den Garaus. Und in der Tat: Die zuckerfreien Süßigkeiten reduzieren die Säure im Zahnbelag und schützen damit den Zahn gegen Karies. Die schändliche Säure, die es zu verhindern gilt, entsteht beim Verzehr zuckerhaltiger Speisen und Getränke: Bakterien, die in den Zahnbelägen sitzen, nehmen den süßen Stoff auf und zersetzen ihn anschließend zu Säure.
Bis zu eine Stunde lang wirkt diese dann, geschützt von der Plaque, auf den Zahn ein und löst Mineralien aus der Zahnsubstanz heraus.Geschieht das häufiger, wird der Zahn instabil: Es entsteht ein Loch. Diesen Zerstörungsprozess können zuckerfreie Kaugummis und Bonbons durchaus verhindern, meint Professor Dr. Joachim Klimek, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Entscheidend sei dafür die Wirkung des Kauens oder Lutschens, kommentiert Klimek gegenüber dem Magazin STERN: "Es regt die Produktion von Speichel an, der die schädlichen Säuren in der Plaque neutralisiert. Dieser Prozess ist in Studien nachgewiesen worden." Bei Kaugummis sei dieser Effekt weitaus stärker als bei Bonbons. 20 Minuten nach einer süßen Mahlzeit solle man deren schädlichen Reste kauend oder lutschend neutralisieren. Allerdings: So nützlich die Reinigungshelferlein auch sein mögen, die gute traditionelle Zahnbürste machen sie nicht überflüssig.
Nach wie vor gilt: Putzen, putzen, putzen – wenigstens zwei Mal am Tag!





