Zahn um Zahn den Rücken stärken
Ganzheitliches Konzept für Zähne und Wirbelsäule
In Deutschland werden Jahr für Jahr etwa eine Million Kinder mit einer Zahnspange versorgt. Darüber hinaus werden bei vielen von ihnen im Laufe der kieferorthopädischen Behandlung gesunde Zähne – nicht nur die so genannten Weisheitszähne – gezogen, damit nachfolgende Zähne Platz im Kiefer finden. Das kann jedoch problematisch sein, wie Dr. Christel Pfeifer und Dr. Paula Göser-Pfeifer von der Kölner Praxis für ganzheitliche Zahnmedizin und Kieferorthopädie wissen, denn: Das Resultat kann später für zahlreiche Beschwerden und Schmerzzustände verantwortlich sein. ORTHOpress sprach mit den beiden engagierten Ärztinnen für Zahnheilkunde und Kieferorthopädie über Alternativen bei der Regulierung von kindlichen Gebissen.
Frau Dr. Pfeifer, Frau Dr. Göser-Pfeifer, krumme Zähne – besonders bei Mädchen – stigmatisieren schon die Kleinsten. Eine kieferorthopädische Behandlung kann frühzeitig eingreifen. In welchem Alter sollte die Behandlung beginnen?
Dr. Pfeifer: So früh wie möglich, etwa zu Beginn der Einschulung, wenn die ersten Milchzähne ausfallen, ist eine erste Kontrolle auf Zahn- und Kieferfehlstellungen anzuraten. Denn: Bereits die Milchzähne haben, auch wenn sie später ausfallen, einen Einfluss auf die Entwicklung des Kiefers und damit die Zahnstellung der bleibenden Zähne. Hinzu kommt, dass je früher die notwendige Behandlung beginnt, desto schonender können Fehlstellungen korrigiert werden. Dabei möchte ich mich nicht nur auf die
allgemeinen Aspekte wie schönes Lächeln oder gerade Zähne beziehen.
Ein wesentlicher Punkt ist der Zusammenhang von Zahn- und Kieferentwicklung und Körperstatik. So kann eine Fehlhaltung der Wirbelsäule z. B. Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers bewirken. Umgekehrt führt eine falsche Zahnkorrektur mitunter zu Schäden an der Körperstatik. Das
Ziehen eines Zahnes, nur um ein optisch schönes Ergebnis zu erreichen, kann Auswirkungen auf die gesamte Haltung haben – darüber müssen sich Eltern bewusst werden. Schließlich soll das Kind nicht nur mit schönen Zähnen, sondern auch aufrecht und gesund durchs Leben gehen.
Wie sieht eine sanfte kieferorthopädische Behandlung aus?
Dr. Göser-Pfeifer: Eine ganzheitliche Behandlung berücksichtigt den natürlichen Aufbau des Körpers und somit auch des Kiefers. Jeder Zahn hat in der Mundhöhle einen bestimmten Platz. Kommt es zu Fehlentwicklungen, ist die natürliche Harmonie der Mundhöhle gestört. Wir arbeiten u. a. mit dem Bionator nach Prof. Baltes, um hier korrigierend eingreifen zu können.
Gesunder Kiefer von Kindesbeinen an
Bei dem Gerät handelt es sich um eine Art Zahnspange, die zwischen den Zahnreihen liegt. Durch das Tragen beim Schlucken und Sprechen werden Zahn- und Kieferwachstum stimuliert. Auch die Nasenhöhlen und Nasennebenhöhlen entwickeln sich, was zu einer verbesserten Nasenatmung und Kopfhaltung führt.
Als besonders positiv erleben wir in unserer Praxis immer wieder, dass durch das Tragen des Bionators die Kinder regelrechte Entwicklungsschübe durchleben und sogar Entwicklungsrückstände aufgeholt werden können.
Beim Erwachsenen ist dagegen ja die Ausbildung des Kiefers und der Mundhöhle abgeschlossen. Welchen Einfluss haben
hier noch die Zähne auf die Gesundheit?
Dr. Pfeifer: Auch beim Erwachsenen müssen Schmerzen am Bewegungsapparat immer unter ganzheitlichen, funktionellen Aspekten betrachtet werden. Dabei
spielen das Kiefergelenk und der Biss eine entscheidende Rolle. Unser Kiefergelenk gehört zu den wenigen Gelenken, welche eine
dreidimensionale Bewegung erlauben. Ist diese Bewegung eingeschränkt oder verläuft sie falsch, kommt es zwangsläufig zu Problemen.
Dies liegt daran, dass jede dieser Bewegungen bestimmte Steuerungsimpulse der Muskulatur erzeugt, welche dann ihrerseits Veränderungen der Wirbelstellungen, des Bandscheibendrucks und der Spannungsverhältnisse der Wirbelsäulenbänder hervorrufen. Falsche Druckverhältnisse und muskuläre Dysbalancen münden dann schließlich in Blockaden an der Wirbelsäule, den Kopfgelenken und den Kreuzdarmbeingelenken.
Was sind die konkreten Ursachen, die beim Erwachsenen solche Beschwerden hervorrufen können, und wie kann man sie behandeln?
Osteopathie unterstützt Behandlung optimal
Dr. Pfeifer: Besonders Kopf- und Nackenschmerzen sind vielfach Ausdruck einer Bisslageabweichung, welche z. B. durch zu hohe Kronen oder Brücken und schlecht sitzende, manchmal auch lockere Prothesen verursacht werden kann. Mit bloßem Auge lassen sich solche Fehlstellungen nicht immer erkennen. Der Bionator wird auch beim Erwachsenen sehr erfolgreich eingesetzt. Er ist in diesem Fall sehr effektiv bei Kiefergelenksbeschwerden, Haltungs- und Wirbelsäulenproblemen sowie Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur. Ich erlebe in meiner Praxis Patienten, welche den Mund vor Schmerzen nicht mehr öffnen können.
Eine ideale Ergänzung stellt hier die craniosacrale Osteopathie dar, welche spezielle manuelle Techniken anwendet, um Verspannungen der Schädel/Beckenachse zu lösen und den cranio-sacralen Rhythmus ins Gleichgewicht zu bringen. Wichtig ist immer, die Zusammenhänge zu erkennen und zu berücksichtigen. So kann man z. B. oft mit einer begleitenden Lymphtherapie und Magnetfeldtherapie Schwellungen und Schmerzen beseitigen, die Atmung verbessern und generell die Abwehrkräfte stärken. Vielen Patienten können so mit einer sanften, nicht invasiven Therapie Wohlbefinden und Lebensqualität zurückgegeben werden.
nicht invasiven Therapie Wohlbefinden und Lebensqualität zurückgegeben werden.
Cranio-sacrale Osteopathie – Was ist das?
Diese ganzheitliche manuelle Behandlungsmethode wurde ursprünglich von
dem amerikanischen Osteopathen W. G. Sutherland begründet und von Dr. John
Upledger in den 70er Jahren maßgeblich weiterentwickelt.
Ausgangspunkt dieser naturheilkundlichen Therapieform ist der cranio-sacrale
Rhythmus. Dieser neben Atmung und Herzschlag dritte autonome Körperrhythmus beeinflusst den Stoffwechel der Organe und jeder einzelnen Körperzelle, da er einen zentralen Pumpmechanismus darstellt. Der cranio-sacrale Rhythmus entsteht durch die gleichmäßige Produktion (Zufließen) und Absorption (Abfließen) der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) innerhalb des Gehirns und der Schutzhülle der Hirn- und Rückenmarkhaut (Dura mater). Dies führt zu einer kaum wahrnehmbaren rhythmischen Bewegung von Schädelknochen (Cranium), Kreuzbein (Sakrum) und übrigem Körper um die Wirbelsäulenachse. Diese Bewegungen sind an beinahe jeder Stelle des Körpers wahrnehmbar.
Mit freundlicher Unterstützung unseres Kooperationspartners ORTHOpress.







